Das Jahr liegt in den letzten Atemzügen. Ich kann die neue Energie schon spüren. Gerade heuer fühlt sich der Abschied noch stärker an als sonst um diese Zeit. So viel ist in diesem Jahr passiert und ich kann wirklich behaupten, dass mich dieses Jahr gefordert hat, wie sonst kein anderes je zuvor. Ich bin durch die Ereignisse, Erkenntnisse und inneren Transformationen erwachsen geworden. Ich wurde gefordert, konnte manchmal kaum noch bis zum nächsten Tag denken und musste gezwungener Maßen manche meiner geliebten Glaubenssätze und Masken über Bord werfen. Der Mensch, der nun Mitte Dezember von all dem übrig geblieben ist, ist viel authentischer, wilder – vielleicht auch manchmal für den ein oder anderen ungemütlicher – aber sehr viel glücklicher. Ich wurde in diesem Jahr erwachsen, selbstständig und habe die volle Verantwortung für mich, mein Leben, meine Gedanken, Gefühle und Emotionen übernommen. 2015 war für mich rückblickend also ein gutes Jahr. Und doch hoffe ich sehr, dass 2016 mir eine kleine Verschnaufpause gönnt.

2015 blieb kein Stein auf dem anderen und all meine Pläne wurden so drastisch über den Haufen geworfen, dass ich meine Strategien alles immer zu planen gleich mit auf diesen Haufen geworfen habe. Wozu noch planen und sich damit den Tag verhauen, wenn dann eh wieder alles anders läuft? Und meistens wird es sogar besser… Ich könnte also sagen, dass dieses Jahr im Zeichen von Liebe, Loslassen und Vertrauen stand.

In diesen Tagen lasse ich nun mein Jahr Revue passieren und gerade jetzt sitze ich bei meiner Buchhaltung und sehe mir mein geschäftliches Jahr nochmal in Zahlen an. Das Gefühl, was mich dabei erfüllt ist große Demut und Dankbarkeit das zu machen, was mich erfüllt und dabei auch noch erfolgreich zu sein. Meine kleine Yogaschule kommt langsam aus den Kinderschuhen und hat nun im 4. Jahr der Gründung schon die meisten Kinderkrankheiten überstanden. Selbst beruflich wurde ich dieses Jahr noch eigenständiger und ließ einige alte Kooperationen hinter mir. Danke, danke, danke!

Und eigentlich lief es beruflich sehr rund im Vergleich zu meinem inneren Prozess, der Anfang des Jahres begonnen hatte. Wie schon in einem meiner früheren Artikel beschrieben, wurde ich Anfang des Jahres mit all meiner Angst gleichzeitig konfrontiert. Diese Angstwellen kamen ganz unerwartet und meist wenn ich mich alleine befand. Es war so eine kollektive Grundangst vor dem Weltuntergang und dass alles zu Ende geht. Ich fühlte mich nirgends sicher. Diese Wellen polterten daher und rissen mich jedes Mal mit in ein schwarzes Loch. Meine alten Strategien der Verdrängung und Ablenkung funktionierten nicht mehr. Ich musste mich den Ängsten also stellen. 3 Monate – und mit Hilfe der Vorträge und Meditationen von Robert Betz und Rüdiger Dahlke – verbrachte ich jeden Tag bewusst Zeit mit meiner Angst. Ich atmete und ließ sie kommen und atmete und atmete. Anfangs fiel es mir sehr schwer mit diesen Gefühlen zu sein, doch wurden die Angst-Sequenzen immer kürzer und weniger bedrohlich. Dadurch, dass ich sie nicht mehr ins Unterbewusstsein abdrängte, wurde sie greifbar und sogar sympatisch. Mittlerweile sind die Angst und ich sogar Freundinnen.

Mit viel freigesetzter Energie und voll motiviert kam ich ab Frühling wieder mehr ins Kinderyoga-Business zurück. Marcel ging in Karenz – und wegen einem Denkfehler unsererseits wurden aus den geplanten 3 Monaten sogar 4,5 Monate. Vielen Dank 2015 für diese wunderschöne Familienzeit diesen Sommer. Es war für alle großartig. Wir genossen den heißen Sommer und die gemeinsame Zeit. Vincent wurde immer selbstständiger und ich fand meine Freiheit wieder ein Stück weit zurück. Ich richtete mir meine Arbeitszeiten ein und alles fühlte sich rund an. Pläne wurden geschmiedet: eine Yoga-Kindergruppe, neue Audbildungs-Modalitäten, neue Weiterbildungen und dann — VOLLBREMSUNG! Ich war wieder schwanger. Diese Info traf mich wie ein Blitz und ich konnte mich ehrlich gesagt in der ersten Woche gar nicht darauf einlassen und mich schon gar nicht darüber freuen. Das löste in mir wieder einen großen Berg Schuldgefühle aus und ließ mich an meiner Rolle als Mutter zweifeln.

Langsam sortierte ich alles. strukturierte mich neu und fand zurück auf meine Beine. Wir bekamen also noch ein Baby. Was für ein unerwartetes Geschenk. Geplant war der Nachwuchs erst in einem Jahr, aber die Kleine hatte mit uns andere Pläne. Diese Zeit lehrte mich Demut, Dankbarkeit, Vertrauen und ganz viel Loslassen von alten Erwartungen und Vorstellungen. Ich ließ mich auf die neue Situation ein und spürte, dass ich genau da war, wo ich sein sollte. Ich musste nichts erzwingen, keinem großen Ideal hinterher jagen, ich musste die Geschenke die kamen nur wahrnehmen und annehmen. Und diese kleine Powerfrau ist ein riesiges Geschenk. Sie entschloss sich genau in der Zeit zu mir zu kommen, wo ich meine Ängste transformiert hatte. Ich war also buchstäblich frei für neues. Wer weiß, was das heißen mag…!?

Der Sommer brachte aber noch eine dieser unerwarteten Freudenbotschaften. Unsere Wohnung in Klosterneuburg, mit deren Fertigstellung wir erst im Sommer 2016 gerechnet hatten, wurde unerwartet früher fertig. Wir werden also schon Mitte Jänner umziehen. Somit ist im neuen Jahr alles neu: neue Stadt, neue Wohnung, neues Kind, neues Leben – frischer Wind.

Ich freu mich riesig auf alle Neuigkeiten und blicke gespannt auf die Zukunft. Mein Gefühl sagt mir, dass es großartig wird.

In diesen Tagen nun vor Weihnachten nehmen wir also langsam von unserem alten Leben in Wien und dieser Wohnung Abschied. Viele Dinge sind in Kisten gepackt und warten auf ihren Weg zum Caritas-Lager, viel altes Gerümpel wurde schon entsorgt. Es fühlt sich gut und leicht und richtig an, doch manchmal taucht hinter solch Gerümpel ganz schön viel alter Schmerz und alte Unsicherheit auf. Wir atmen und kommunizieren uns durch, sind dankbar für alles was war und lassen los. Viel Dankbarkeit, Aufbruchsstimmung und Wehmut schwingt mit. Diese alte Wohnung hat uns 2 Jugendlichen vor über 6 Jahren ein Zuhause gegeben. Ganz frisch angekommen in der großen Stadt hatten wir das Gefühl alles zu erreichen und überall dabei sein zu müssen. Und ja, vieles haben wir in dieser Zeit auch erreicht, obwohl wir uns wahrscheinlich nie ausmalen hätten können, wie die Zukunft hier verläuft. Wir wurden hier eine Familie, wir wurden hier erwachsen und wuchsen so über unser altes Selbst hinaus, dass ich mich an das alte gar nicht mehr erinnern kann. Wir stritten, versöhnten uns, lachten, weinten, waren enttäuscht und zuversichtlich. Wir lernten noch besser miteinander zu kommunizieren und unsere Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken. Wir waren als junge Eltern müde, verzweifelt, entnervt, stolz, verliebt und sehr oft überfordert. Doch wir haben es gemeistert. Danke, geliebte Wohnung, für deine Geborgenheit, deinen Schutz, deine Zuversicht und deine Lebendigkeit.

Nun ist es Zeit für etwas Neues. Wir ziehen aufs „Land“. Und ich freue mich auf meinen Garten und den Wald, dem ich vom Wohnzimmerfenster aus zuwinken kann.

Danke 2015! Danke Wien! Schön wars…

Willkommen 2016! Willkommen Klosterneuburg! Willkommen, geliebte Tochter! Wir sind bereit!

 

Wie war denn euer 2015? Schreibt mir doch in den Kommentaren. Ich bin gespannt.