Gerade fuhr ich meinen Sohn in den Kindergarten. Wir scherzten und freuten uns beide auf den Tag. Ich verabschiedete mich von ihm und wünschte ihm einen wunderbaren Tag mit seinen Freunden.

Dann stieg ich wieder in mein Auto und eine tiefe Traurigkeit überkam mich. Dieser kleine Mensch ist mir so kostbar auf dieser Welt wie sonst nichts anderes. Ich würde ALLES für ihn und seine Schwester geben und noch viel weiter gehen. Die Zeit, die ich mit den beiden verbringen kann ist die wertvollste Zeit meines Tages.

Und doch….

… geht genau diese Wertigkeit bei mir im Alltag ganz oft unter. An diesem Morgen – es ist ein ganz banaler Alltags-Donnerstag – wird mir der Schmerz über all die verpassten Begegnungen voll bewusst.

  • Mir wird bewusst, wie oft ich ihn vertröste, weil ich gerade etwas GANZ WICHTIGES zu erledigen habe.
  • Mir wird bewusst, wann ich ihm nur mit einem Ohr unbewusst zugehört habe und eigentlich mit den Gedanken wo anders war.
  • Mir wird bewusst, wie sehr ich ihm und auch mir damit unrecht tue.

Unsere Welt ist so verrückt und laut geworden. Wann ist das passiert?

Geht es dir auch manchmal so?

Ich möchte dir mit diesen Zeile heute keine einfache Lösung á la „Kaufe das“, „Buche das“ … liefern. Denn ich hab diese Lösung für mich noch nicht. Ja, ich bin am Weg. Ja, es wird mir immer wieder bewusst.

Und doch gibt es noch so viele Momente wo ich …
… in meinem eigenen Film hänge ich mein Gegenüber nicht spüren kann.
… an der Welt und ihren Herausforderungen regelrecht verzweifle.
… eine tiefe, kollektive Müdigkeit spüre und einfach wieder einschlafen will.
… mich einsam und von der Welt verraten fühle.

Warum ich dir das so ehrlich zeige?

Ganz drinnen spüre ich, dass es NUR SO gehen kann. Ich spüre, dass unsere Menschlichkeit, unser Hadern, unsere Zweifel und Fehlschläge wichtig sind um daraus zu lernen. Ganz tief drinnen, weiß ich, dass es dir auch so geht und dass wir im Kontakt miteinander daran wachsen und reifen können.

Und so bete ich nun – für mich, für dich, für all unsere (Inneren) Kinder – dass wir den Mut haben uns zu zeigen und uns voll auf den Moment einlassen zu können.

Gebet an das Leben

Lass mich durch dich die Schönheit jeden Moments erfahren.
Lass mich die Täuschungen und Versuchungen des Alltag entlarven.
Lass mich all meine menschlichen Aspekte voll annehmen – die schönen, die peinlichen, die gemeinen, die verwirrten, die schambehafteten, die irren, …

Gib mir den Mut mich auf tiefe Begegnungen voll einzulassen.
Zeig mir meinen Weg als Mensch noch mehr Wahrheit in die Welt zu bringen.
Zeig mir einen Weg dies mit Leichtigkeit und Demut zu erreichen.
Gib mir Zeichen, wenn ich mich in meinen kleinen Ego-Wünschen verirre.

Hilf mir für die Probleme dieser Welt Lösungen zu finden und umzusetzen.
Sende mir die Menschen, die sich mit mir gemeinsam auf den Weg machen wollen.
Gib mir Vertrauen, Mut, Einsicht und Demut.

Ich werde dieses komplexe Leben wahrscheinlich nie vollends verstehen. Ich gebe auch auf, es jemals ganz verstehen zu wollen. Ich weiß, dass du Leben mich führen wirst. Ich lass mich drauf ein!

Hier bin ich!

Ich spüre unsere Verbindung gerade sehr und bin zutiefst dankbar, dass du diese Zeilen liest!

Wie geht es dir? Magst du deine Gedanken mit mir teilen?

Auf unsere Kinder und die Wahrhaftigkeit in dir
Deine Hanna