Vor ein paar Wochen wurde ich von einer Absolventin zu den Themen Bestimmung, Selbstzweifel und Vision interviewt. Lass dich davon inspirieren und schreib mir doch in den Kommentaren deine Erfahrungen mit Zielen, Zweifeln und dem Scheitern.

 

Miriam: „Wie hast du begonnen deine Bestimmung zu finden?“

Hanna: „Es war ein Prozess mit vielen Aufs und Ab. Ich glaube zuerst war die laute Stimme in mir, die sagte „Das kann doch noch nicht alles gewesen sein.“ Damals war ich noch im Schuldienst und total unglücklich mit der Situation. Ich fühlte mich eingesperrt, ich hatte das Gefühl mich ständig verstellen und anpassen zu müssen. Und war nur ein kleines unbedeutendes Rädchen im System. Durch „Zufall“ bekam ich von einer Freundin die Info zur Kinderyoga-Ausbildung. Ich fing sofort Feuer und sah plötzlich auch in der Schule wieder die Möglichkeit etwas zu bewegen. Nach einer Weile des Ausprobierens machte ich Nägel mit Köpfen. Ich kündigte in der Schule und ging in die Selbstständigkeit.

Auch damals war die Vision noch viel vager und kleiner als heute. Mit den Jahren des Ausprobierens und Scheiterns wurde meine Bestimmung immer klarer. Und erst seit der Geburt meiner Kinder und einigen wertvollen Coaching-Sessions bin ich so gut eingetuned mit meiner Vision, dass ich schon jetzt weiß: Das alles WIRD passieren. Ich habe diese Zukunft schon gesehen.

Ich habe in einigen tiefen Meditationserfahrungen Zugang zu einem sehr alten und weisen Persönlichkeitsanteil in mir selbst erhalten. Dieser Kontakt entspannt mich sehr, sodass ich nicht mehr – wie in den ersten Jahren der Selbstständigkeit – blind jeder „tollen“ Idee nachjage. Dieser alte Teil in mir, hat alle Ziele schon erreicht und zeigt mir nun den Weg dorthin. Alles was ich dafür zu tun habe, ist still zu werden und einen Schritt nach dem anderen in die Richtung zu setzen.“

 

Miriam: „Was hat dich dabei inspiriert?“

Hanna: „Mich inspirieren …

  • alle Kinder, die mir mit ihrer Präsenz und ihrem „Ausgeliefertsein“ immer wieder zeigen, wie wertvoll und bitter-notwendig meine Arbeit in diesem System noch immer ist.
  • meine eigenen Kinder ganz besonders.
  • mein wunderbarer Mann, der so ganz anders tickt als ich und mich dadurch immer wieder aus meiner Trance wach rüttelt.
  • LehrerInnen, die authentisch ihren Weg gehen: Veit und Andrea Lindau, Chameli Ardagh, Andre Stern, Allie Casazza (MInimalism for families), die Welt der indischen Götter und Göttinnen, meine Therapeutin, meine Eltern
  • jedeR große und kleine SchülerIn, der/die mit mir in Verbindung steht.
  • die leuchtenden Augen der Menschen nach einer lustigen Yogastunde.
  • meine eigene Kindheit, mein Inneres Kind und dessen schrittweise Heilung.
  • der Wald und die Stille am Morgen auf meinem Meditationskissen
  • meine Laufrunde am Abend und kraftvollen, verschwitzte Yogasessions
  • meine geballte Kraft und Kreativität, die ich in mir fließen spüre.

Mich „inspiriert“ auf eine negative Art und Weise aber auch die Vorstellung, …

  • was mit mir und meiner Umwelt passiert, wenn ich aufhöre für meine Vision zu gehen.
  • was aus der Welt wird, wenn sie nur noch aus zu Objekten degradierten, unmündigen Konsumenten besteht.
  • was aus unserem Bildungssystem wird.
  • was passiert, wenn Menschen die Würde genommen wird.
  • was passiert, wenn tiefe menschliche Werte nicht mehr gelebt werden.“

 

Miriam: „Wie hast du dir durch Tage des Selbstzweifels geholfen?“

Hanna: „Ich habe mir alle Alternativen aufgezählt. Keine davon war nur im Entferntesten für mich vertretbar. In mir gibt es irgendwo so einen tiefen Drang, diese Vision zu leben, dass alles andere einfach nicht in Frage kommt. In finanziellen Startschwierigkeitsphasen hat mir meine Familie geholfen. Besonders mein Mann Marcel und mein Papa. Sie haben mir mit Geld immer wieder zeitweise ausgeholfen. Mittlerweile bin ich darauf nicht mehr angewiesen 😉

Ich hatte in der Anfangszeit eine gute Freundin, die sich zu dieser Zeit auch aufgemacht hat um mit Kinderyoga selbstständig zu sein. Der gegenseitige Austausch hat uns wirklich sehr gut getan. Ich glaube, ohne Jenny, hätte ich an vielen Stellen aufgegeben.

Weinen und die Verzweiflung zulassen hilft noch immer. Auch heute noch gibt es Tage des Selbstzweifels. Denn die Visionen hören nicht auf. Sie verändern sich. Sie werden nur größer. Meine Erfahrung zeigt mir, dass es wichtig ist diese Zweifel Ernst zu nehmen. Sie wollen mich auf ihre Art schützen. In der ersten Zeit habe ich sie unterdrückt und mit positiven Afirmationen „bekämpft“. Mittlerweile höre ich ihnen zu, so wie einem kleinen Kind, das gerade Angst empfindet. Ich lausche und finde danach für das Horrorszenario des Zweifels eine gute Lösung, sodass diese Angst in mir sich entspannen kann.

Mir hilft es auch zu beten und mich nicht so wichtig zu nehmen. Ich habe meine Haltung verändert, da ich durch die Reise meiner Selbstständigkeit immer demütiger dem Leben gegenüber geworden bin. Ich weiß, dass für jeden eine ganz eigene Bestimmung angedacht ist. WIE diese Bestimmung gelebt wird, ist ganz individuell und kann sich durchaus ändern. Mir hilft es „nicht zu wissen“ was der nächste Schritt ist.

Mir hilft es mit dem Leben ganz offen zu kommunizieren: „Leben, lass mich dein Pfeil sein. Zeig mir, was du mit mir vorhast. Ich achte auf deine Zeichen. Ich weiß nicht, was das gerade bedeutet.“ Meist kommt dann die ganze Welle der Ohnmacht über mich, es wird dunkler und danach langsam heller. Meist ist nach diesem Tal alles klar und es geht weiter. Diese Täler auszuhalten ist für mich immer noch eine große Herausforderung.“

 

Miriam: „Danke für deine berührenden, ehrlichen Worte und all die Inspiration darin.“