Nach dem raketenhaften, traumhaften, märchenhaften, zu-tränen-rührenden und tiefberührenden Start meiner Tochter in diese Welt, lehrte mir mein Körper auf sehr schmerzhafte Weise nun auf mich zu schauen, und meine Grenzen zu spüren und zu achten. Kurz vor der Geburt waren wir noch von Wien nach Klosterneuburg umgezogen und bis zum Tag der Geburt war ich noch damit beschäftigt aus dem Siedelchaos ein Zuhause zu machen. Außerdem war da ja noch der große Bruder, mit dessen überschäumender Energie ich am Ende der Schwangerschaft nicht mehr ganz mithalten konnte…

Nun hatte ich die Kleine so mühelos und energiegeladen geboren und dachte mir, es würde gleich so weiter gehen. „Jaja, Wochenbett, eh klar. Ich mach nichts im Haushalt, lass mich bekochen, bin viel im Bett. Aber Vincent… !? Der will doch auch seine Mama.“ Ich hatte so ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Großen und so übertrieb ich es an manchen Tagen. Ich ging mit beiden Kindern spazieren und spielte mit Vincent Abfangen und Raufen. Der Denkzettel folgte jedes Mal unmittelbar. Ich bekam Fieber, Schüttelfrost und meine wunden Brustwarzen verschlimmerten sich von Tag zu Tag. 3 Wochen dauerte es, bis ich den Zusammenhang herausfand: ICH BRAUCHE RUHE und sonst nichts. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben gezwungen die Kontrolle vollkommen abzugeben und mich nur auf mich und mein Baby zu konzentrieren. 8 Wochen – also das gesamte Wochenbett 😉 – dauerte es, bis ich mich wieder halbwegs als Mensch fühlte. Ich war ein Häufchen Elend, weinte viel und hatte das Gefühl aus diesem Loch nie mehr heraus zu kommen.

Meine kleine Lehrmeisterin hat in dieser Zeit alles mitgemacht: Stillhütchen, Abpumpen und Flasche, 2 Wochen jeden Tag zur Lasertherapie, Stillberatung… Und in der ganzen Zeit gab sie mir mit ihrer Ruhe und Zuversicht zu verstehen, dass alles gut ist und dass sie mir vertraut.

Nach Wochen der Suche im Außen wurde ich ganz still und hörte in meinen Körper. Er  schrie es mir ja schon fast  ins Gesicht: „Kämpfe nicht gegen die Situation an. Sei nicht schon 3 Schritte weiter. Begegne der Schönheit in diesem Moment und alles wird gut.“ Ich legte mein Smartphone, auf dem ich auf diversen Mami-Foren nach Lösungen suchte, weg und nahm die Situation so an wie sie war. Zum ersten Mal erkannte ich das Geschenk und Lernpotential an dieser Situation. Meine Tochter lag in den Armen ihres Papis und ich sah die beiden voller Liebe an. Ich spürte das tiefe Band, das sich zwischen den beiden geknüpfte hatte. Marcel hatte in dieser Phase so viele Dinge übernommen, hatte geholfen und obwohl auch er müde und besorgt um meine Gesundheit war, gab er meiner Familie in dieser Zeit die nötige Stabilität.

Ich ließ allen Widerstand auf der Stelle los und ließ es zu schwach zu sein und umsorgt zu werden. Ich kommunizierte meine Sorgen, meine Wut und meine Ängste eine schlechte Mutter zu sein, wenn ich mich nicht um die Kinder kümmern konnte. Ich weinte viel und schlief viel. Und schlagartig wurde mein Zustand besser.

Meine Brustwarzen heilten durch die tägliche Lasertherapie, meine Batterien luden sich wieder auf und meine Laune verbesserte sich von Tag zu Tag. Ich merkte schon in der Schwangerschaft, dass diese kleine Tochter meine größte Lehrerin zum Thema „Annehmen was ist“ werden wird. Doch dass ihre nächste Lektion so unmittelbar daher poltert, war mir lange nicht klar. „Lass los und nimm jede Situation an, wie sie ist. Stell dich nicht gegen das Leben und erkenne die Schönheit und Weisheit in allem was dir Begegnet“.

Ich bin gespannt, was ich noch alles von dir lernen werde, mein Schatz. Schön, dass du da bist!

 

Vieles habe ich in dieser Zeit gelernt:annahmen
  • Die Welt geht nicht unter ohne mich.
  • Ich kann und darf auch schwach sein.
  • wenn ich nach Hilfe bitte, werde ich unterstützt. Es sind helfende Hände da, die mich tragen.
  • Das Wochenbett ist kein Luxus, sondern essentiell wichtig für die Erholung und Bindung von Baby und Mutter.
  • Weniger ist mehr: Je mehr ich im Außen auf der Suche nach Heilmitteln für meine wunden Brustwarzen war, desto mehr entfernte ich mich von der Lösung – RUHE und ANNEHMEN.
  • Was mir in der Zeit wirklich geholfen hat: Lasertherapie, Medela Hydrogel Pads, die Aufbaukur von Soluna, die Caritas Familienhilfe und viel Schlaf und Kuscheln.