Die Zeit rennt dahin. Mittlerweile ist mein kleiner Sohn schon fast 2 Jahre alt und seine kleine Schwester bereitet sich in meinem Bauch auch schön langsam auf ein Leben außerhalb des Mutterleibs vor. Und dabei kommt es mir vor, als ob ich erst gestern auf das Einsetzen der Wehen bei Vincent gewartet habe.

Gerade jetzt, wo mein Bauch wieder Woche für Woche runder wird, kommen mir immer wieder Gedanken an Vincents Geburt hoch. Ich bin stolz, dass ich die Kraft hatte, mich gegen die Ratschläge der Ärzte zu stellen und froh über diese (relativ) entspannte und selbstbestimmte Geburt. Ich erlebe in meinem Alltag mit Müttern immer wieder, wie schnell es unter der Geburt passieren kann, dass man seine Verantwortung an das Klinikpersonal abgibt – oder auch entrissen bekommt. Die meisten fühlen sich dann überrannt und gestresst. Und das wiederrum verhindert eine komplikationsfreie Geburt. Bei mir wäre es auch fast so weit gekommen, ich habe diese Szenen schon alle vor mir gesehen – Einleitung, Stress, grelles Licht, Interventionen. Gott sei Dank war ich durch meine Kurse während der Schwangerschaft (Positive Birth und Hypno Birthing) sehr gut vorbereitet und informiert. Und aus diesem Grund schreibe ich hier nun meine Erfahrung auf. Vielleicht kann es die ein oder andere von euch in ihrer Situation gebrauchen.

Nun aber von Anfang an

Vincent und ich hatten eine sehr unkomplizierte Schwangerschaft. Ich genoss es immer runder zu werden. Alles verlief wunderbar, ohne größere Wehwehchen und Komplikationen. Ich war sogar relativ fit für eine Schwangere, unterrichtete ich ja auch bis zum Schluss 10 bis 15 Stunden (Kinder)Yoga die Woche. Ich interessierte mich sehr für natürliche Geburten – außerhalb des Klinikstresses – konnte mir aber zu diesem Zeitpunkt keine eigene Hebamme leisten. Also absolvierte ich stattdessen in der Schwangerschaft tolle Kurse, die mich mental und körperlich auf eine entspannte und selbstbestimmte Geburt vorbereiten sollten, und las alles, was ich zu diesem Thema finden konnte.

Am errechneten Geburtstermin fuhren mein Freund und ich zur Klinik für einen Routine-Check. Dabei stellte der Arzt fest, dass Vincent schon 4,4 kg wog. Und schon ging das Krankenhaus-Prozedere los… Sie wollten mich nicht mehr nachhause lassen und noch am selben Tag mit der Einleitung beginnen. Ich hinterfragte die ganze Sache beim Arzt und sagte, dass ich eine Einleitung auf keinen Fall machen werde. Woraufhin der unsympathischste Arzt der Welt das Zimmer betrat und mir einen Vortrag hielt –ohne mich überhaupt begrüßt zu haben. Mit verschränkten Armen stand er vor mir:

„Frau Pessl. Ihr Kind ist schon so groß. Wissen‘s, das ist eigentlich schon ein Fall für einen Kaiserschnitt. Bei so großen Kindern kann es zu schweren Geburtsverletzungen kommen, die Schulter kann an Ihrem Schambein hängen bleiben… “ … mehrere Horrorszenarien wurden aufgezählt.

Ich: „Aha, aber daran glaub ich nicht. Ich schaffe das schon.“ Er (belächelnd): „Naja, Sie sind noch dazu Erstgebärende… Sie wissen ja nicht, was da auf Sie zukommt.“ (Aha, und er – als Mann – weiß das!?)

Ich (schon etwas aufgelöst): „Ich will nicht hier bleiben. Was gibt es noch für Möglichkeiten?“ Er: „Setzen Sie sich draußen hin. Ich werde Ihren Fall im Kollegium besprechen. Warten Sie!“ … und weg war er.

Und dann hieß es warten für mich und meinen Freund. Ich konnte nur noch heulen. So hatte ich mir die Geburt nicht vorgestellt. Ich fühlte mich so ausgeliefert. Musste kämpfen. Mich gegen die Ärzte stellen. Das war anstrengend und verlangte irrsinnig viel Mut. Ich fühlte mich äußerlich wie eine Löwenmami die sich und ihre Jungen beschützt. Innerlich war ich aber sehr verunsichert und verängstigt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit holte uns die Oberärztin nochmal in den Untersuchungsraum. Sie ließ mich nach Hause gehen unter der Bedingung, dass ich am nächsten Morgen wieder kommen solle. Ich könne mich dann zwischen 2 Dingen entscheiden: Einleitung oder Kaiserschnitt… Ich: „Wissen Sie was? Ich werde morgen früh mit meinen eigenen Wehen kommen. Das ist mir am Liebsten.“ Sie lächelte und wir verabschiedeten uns.

An diesem Nachmittag machten Marcel und ich dann alles, was geburtseinleitend wirkt. Ich „lief“ und stampfte durch den Wienerwald und beflehte Vincent, er solle sich nun entscheiden zu kommen. „Bitte Vincent, lass uns das gemeinsam machen, sonst wird’s für uns beide ungemütlich.“ Ich trank ALLE Kräutertees, die irgendwie geburtsvorbereitend wirken. Und am Abend nahm ich noch einen Wehencocktail. Vor Aufregung konnte kaum schlafen. Und wirklich… um 4 Uhr früh ging es los. Ich bekam Wehen. Es hatte geklappt. Ich saß in der Kuschelecke, die wir für Vincent schon vorbereitet hatten, und freute mich über das stärker werdende Ziehen in meinem Unterleib. Marcel ließ ich zu der Zeit noch schlafen und war einfach nur dankbar und friedlich. Um 5 Uhr verlor ich Fruchtwasser und ich weckte Marcel. „Haben wir es eilig?“ meinte er zu mir. Ich: „Nein, ich geh jetzt mal gemütlich duschen und danach fahren wir ins Krankenhaus.“ Und so hatten wir noch einen ruhigen Morgen und standen um kurz nach 6 Uhr im Krankenhaus auf der Matte.

Danach ging für mich alles total schnell. Oder vielleicht war ich einfach so gut „in the zone“. Denn Marcel empfand die Geburt schon als lange. Ich konnte mit den Wehen gut umgehen. Konnte sie veratmen und vertönen und war meistens tief konzentriert und entspannt. Unterbrechungen durch den Klinikalltag und Fragen der Hebammen störten mich eher in meiner Geburtsarbeit. Somit ließ mich die Hebamme – bis aufs lästige CTG-Schreiben – ziemlich in Ruhe und alleine machen.

Nach 10 Stunden „Geburtstanz“ war der Kleine dann da. Und wie er da war… Mich überkam ein Gefühl so tiefer Liebe und Glück, das ich gar nicht in Wort fassen kann. Wir sahen uns an und kannten uns. Ich war so dankbar, meinen Geburtsweg gehen zu dürfen und fühlte die Kraft, die in mir steckt. Seit diesem Tag, kann mich so schnell nichts mehr umhauen, denn ich kenne meine wahre Kraft. Ich habe schon ein Kind geboren, ich habe auf meine Instinkte vertraut und mich sogar dafür auf die Beine gestellt.

Die Ärztin und die Hebamme waren erstaunt, dass ich die Geburt so entspannt und humorvoll gemeistert hatte. Wir hatten richtig Spaß im Kreißsaal. Sie dachten ja am Anfang, ich würde – als Erstgebärende – bei so einem „Bröckerl“ die Nerven schmeißen.

Ich hatte also eine tolle (relativ) selbstbestimmte Geburt und ich denke sehr gerne an diesen schönsten Tag meines Lebens zurück. Und trotz alledem gibt es bei der 2. Geburt einige Dinge, die ich schon im Vorfeld anders organisieren werde. Im Nachhinein fühlte ich mich bei einigen wichtigen Dingen während der Geburt, zu wenig gehört vom Krankhaus-Personal.

  • Ich wollte von Anfang an meine „Geburts-Höhle“ beziehen und fragte nach dem Kreißsaal. Doch der – meinte die Hebamme – stünde mir erst für die letzte Zeit zur Verfügung. Ich solle doch ins Zimmer gehen. Sie hole mich dann wieder.
  • Ich wollte mich bewegen und mit meinen Wehen mitgehen, doch musste ich – weil das Baby ja so schwer war und es daher eine „Risiko-Geburt“ war – immer wieder Ewigkeiten auf der Seite liegen und am CTG hängen. In dieser Lage waren die Wehen aber immer viel schmerzhafter und ich begann am ganzen Leib zu zittern.
  • Ich wollte, in der Hocke mein Kind gebären, weil es sich dort so stimmig anfühlte. Doch musste ich mich, nach einer Diskussion während den Presswehen mit einer Ärztin, doch geschlagen geben. So sollte ich mich auf das Bett legen und in Seitenlage gebären. Diese Lage war für mich total unangenehm, auch weil mir 4 (!) Personen dabei zwischen die Beine schauten.

 

Warum schreibe ich diese intime Geschichte in meinen Blog? Ich möchte euch Frauen den Mut geben auf euch und euren Körpern zu vertrauen. Stellt euch für eine selbstbestimmte Geburt auf die Beine, wenn es sein muss. Und gebt die Verantwortung für euch und euren Körper nicht an der Kliniktür ab. Der Frauenkörper ist dafür gemacht, Kinder auf die Welt zu bringen und alles was wir dafür brauchen ist Ruhe und Sicherheit. Ich bin froh, dass es die Möglichkeit eines Kaiserschnitts gibt, er kann Leben retten. Doch sollte dieser nicht vom Klinikpersonal aus reiner Bequemlichkeit vorgeschlagen werden. Informiert euch und fragt nach. Eine Hebamme hat mir während eines Geburtsvorbereitungs-Kurses den wichtigen Satz mit auf den Weg gegeben: „Seid nicht gute Patientinnen, sondern gute Eltern. Vertraut auf euer Gefühl.“

Wenn ihr Unterstützung braucht gibt es hier einige tolle Links (die meisten sind für Wien und Umgebung, bitte schreibt doch in den Kommentaren auch gute Geburtsbegleiter – Hebammen, Doulas, Kurse – für andere Regionen.)

  • Meine tolle Hebamme für Baby Nummer 2: partera.at
  • Mentale Geburtsvorbereitung – sehr liebevoll und mit viel Herz: positivebirth.at
  • Geburtsvorbereitung mit Hypno Birthing – für eine entspannte Geburt ohne Angst: geburtsvorbereitung-hebamme.at
  • Yoga für die Geburt und instinktive Geburtsarbeit – naturalbirthmovement.info
  • Bücher: Die Hebammensprechstunde (Ingeborg Stadelmann), Die selbstbestimmte Geburt (Ina May Gaskin), Yoga in der Schwangerschaft (Francoise B Freedman)

 

Was beim 2. Butzi nun anders wird?

Diesmal leiste ich mir meine eigene Hebamme, der ich zu 100 % vertraue. Sie begleitet mich schon jetzt in der Schwangerschaft um mit mir und meiner Familie eine gute Basis und ein Gefühl zu entwickeln. Beim Einsetzen der Wehen kommt sie zu mir nachhause. So bin ich von Anfang an gut betreut.

Ich lese nicht mehr so viel und halte mich aus Geschichten rund um Schwangerschaft und Geburt raus. Mein Instinkt, was mir und meinem Kind gut tut, wird so immer feiner, da die Meinungen anderer nicht mehr so sehr in meinem Kopf herum spuken.

Ich habe auf zusätzliche Untersuchungen (Nackenfalten-Transparenz-Test, Organscreening und Co.) noch mehr als bei Vincent verzichtet, weil ich durch die erste Geburt immer weiter ins Vertrauen meines Körpers und Mutter Natur gekommen bin.

Ich habe für die erste Zeit mit Baby ganz viel Unterstützung organisiert. Denn dieses Mal weiß ich, dass das gut und wichtig für die Erholung und Entspannung aller ist. Beim ersten Kind war ich dafür noch zu stolz und etwas naiv. Holt euch Hilfe!!!
Auch Caritas Familienhilfe steht euch in der Zeit nach der Geburt zu wirklich günstigen Konditionen zu. Diese kommt ein ganzes Monat 4 Stunden täglich und hilft bei Alltäglichen Erledigungen, beim Kochen, Einkaufen usw.

Und nun heißt es für mich nur noch warten und entspannen. Ich freu mich schon riesig auf die zweite Geburt und aufs Kennenlernen unseres neuen Familienmitglieds.

Alles Liebe, Hanna (und die kleine Zwergin im Bauch)

Was hat euch während und vor der Geburt geholfen? Ich freu mich über den Austausch.