Kinder sind unsere Spiegel

Kennst du solche Tage? Es regnet schon seit Tagen, der Kühlschrank ist leer, die Wohnung ein Chaos und die ToDo-Liste wird immer länger. Noch dazu hast du unzählige Termine in der Stadt, die alle sehr knapp getimet sind. Leider startet der Tag schon mit einer Extra-Portion Stress, denn die erste Straßenbahn fährt dir vor der Nase davon. Am Nachmittag schaffst du es gerade noch kurz vor den Kindern, den Yogaraum zu betreten. Richtest gedankenverloren alles für die Stunde her und bist noch am Organisieren, als die ersten Kinder kommen. Keine Zeit also sich zu zentrieren.

An solchen Tagen gelingt es mir oft nicht, mein Bewusstsein in den gegenwärtigen Moment zu bringen. Immer hinke ich dem Jetzt hinterher, oder plane schon meine nächsten Schritte. Mein Energie-System fühlt sich zerfleddert an. Doch da ich nie wirklich im Körper anwesend bin, merke ich meist den ganzen Tag nichts davon. Erst am Abend fühle ich mich leer und ausgebrannt und kann mich an vieles nur mehr nebelhaft erinnern. Doch Gott sei Dank kommen dann die Kinder ins Spiel. Denn ihnen kann ich nichts vormachen.

Kinder – mit ihren sensiblen Antennen – merken meinen Geisteszustand und reagieren meistens UNMITTELBAR darauf. Sie spiegeln mich. Sie sind nervös, aufgebracht, kommen selbst nicht zur Ruhe oder sind gar verängstigt. Dieses Phänomen nennt man Resonanz.

Hier ein kurzes Video dazu – wie sich 5 Metronome innerhalb weniger Minuten synchronisieren.

Wenn uns das nicht bewusst ist, können wir in diesen Situation leicht falsch reagieren und die Situation entkommt uns. Dann kann es vorkommen, dass wir die Schuld auf die „schlimmen Kinder“ schieben, die heute wieder furchtbar drauf sind. Noch dazu machen wir vielleicht sogar die Kinder dafür verantwortlich, dass es uns heute so geht. Und fertig ist die abwärts Spirale, in der wir – die Kinder und ich – uns gegenseitig nach unten ziehen. *** So gesehen in vielen Kindergärten und Schulklassen ***

In meiner Ausbildung zur VS-Pädagogin habe ich über das Thema Resonanz und energetische Techniken natürlich nichts erfahren. Dabei ist das für mich das wichtigste Werkzeug um voller Energie, Freude und Gesundheit zu bleiben. Denn Kinder brauchen unsere Aufmerksamkeit. Das merken wir schon bei einem Kind, und viele Kinder brauchen viel Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist Energie. Wenn ich mit dieser Aufmerksamkeit unbewusst umgehe, ist meine Energie irgendwann erschöpft. Erst im Yoga fand ich eine Ladestation für mich und die Kinder.

Durch ganz bestimmte Übungen kann ich mich nun…

  • … in Windeseile wieder zurück in den gegenwärtigen Moment holen. Denn nur im JETZT kann ich Dinge auch verändern.
  • … meinen Energielevel mit wenigen Atemzügen steigern und somit auch meine Stimmung heben.
  • … aus einer schwierigen Situation aussteigen, indem ich meine Gedanken nicht zu ernst nehme.
  • … besser auf die Gefühlsregungen meines Gegenübers einstellen, bleibe aber trotzdem in meiner Mitte.

 

Und wie kannst du das auch erreichen?

 

  • Etabliere deine regelmäßige Praxis

Finde für dich Zeit im Alltag, wo du dich um deine spirituelle Praxis kümmerst. In dieser Zeit solltest du dich mit dir selbst beschäftigen – ohne Bücher, Computer, Handy und anderen Ablenkungen. 10 bis 30 Minuten pro Tag genügen und du wirst ein neuer Mensch sein.

Ich habe für mich den frühen Morgen reserviert und stehe – nach einem Monat Umstellungsphase – mittlerweile ohne Wecker um 5 Uhr früh auf. Mein Tag beginnt mit einer Atemübung und einer Meditation. Danach praktiziere ich gerne noch ein altes vedisches Feuerritual und setzte mich dann zu meinen E-Mails. Wenn der Rest der Familie erwacht, habe ich schon 2 Stunden intensivste Zeit hinter mir und bin frisch und gut gelaunt um mit meinem Sohn den Tag zu verbringen. Am Anfang meines Mutter-Daseins haderte ich immer mit dieser Fremdbestimmung. Nun bestimme ich selbst, wann ich aufstehe. Und der Effekt: Ich bin zentriert, wach und bewusst.

Diese Lösung passt für mich, muss es aber nicht für dich. Finde heraus, was für dich und deinen Lebensstil machbar ist. Und bleib dann dabei, auch wenn es anfangs hart ist und jeden Tag Überwindung kostet.

 

  • Komme durch bewusstes Atmen wieder im Moment an

Die Atmung ist unser Anker zur Gegenwart. Außerdem sind Geist und Atmung unmittelbar miteinander verbunden. Wenn wir uns bewusst werden, wie wir atmen, werden wir uns meist auch sofort unseres Geisteszustands bewusst.

Je flacher der Atem, desto mehr Gedanken schwirren durch den Kopf.

Durch mehrere bewusste Atemzüge in den Bauchraum kannst du dich ganz schnell wieder beruhigen und zurück holen. Dabei musst du deine Tätigkeit, die du gerade machst gar nicht unterbrechen. Du kannst zum Beispiel unterrichten und dir deiner Atmung bewusst sein. Du kannst gehetzt durch die Stadt laufen und dir deiner Atmung bewusst sein. Sag dir dafür einfach im Geist vor: „Ich bin mir bewusst, dass ich einatme. Ich bin mir bewusst, dass ich ausatme.“

Und auch hier wirkt wieder die Resonanz. Denn sobald du beginnst tiefer in den Bauch zu atmen, wird das auch gleichzeitig dein Gegenüber für sich übernehmen. Und Hokus Pokus der Spuk ist vorbei.

 

  • Nimm dir Zeit im Raum anzukommen

Ich weiß, als Yogalehrerin hat man auch Termine und manchmal verspätet man sich. Doch plane trotzdem immer genügend Zeit für dein gemütliches Ankommen im Raum ein. Und solltest du mal spät dran sein, hetz dich nicht. Bleib in deiner Mitte, denn du kannst daran im Außen jetzt nichts mehr ändern, deine Stimmung hast du aber in der Hand.

Meine Rituale, wenn ich einen Yoga-Raum vorbereite:

1.) Den Yogaraum organisieren: Matten und Kissen auflegen. Die Yoga-Mitte und meine Materialien vorbereiten. Überprüfen, ob die Musik funktioniert.

2.) Umziehen und in Yoga-Stimmung kommen: Ich setze mich auf meine Matte, schließe die Augen und atme bewusst. Danach führe ich im Geiste eine kurze Zentrierungsübung durch.

3.) Sobald die Kinder kommen, empfange ich sie am Eingang und bin präsent und ansprechbar, falls Eltern oder Kinder mit mir etwas besprechen wollen.

 

  • Beende den Tag bei einem guten Buch (lass den Fernseher aus)

Leere am Ende des Tages deinen Erfahrungs- und Gefühlsmistkübel aus. Bedanke dich bei allen Begegnungen und Lernmöglichkeiten und sei zufrieden mit dir und den anderen. Viel zu oft ist es nach einem anstrengenden und schwierigen Tag verlockend sich vor dem Fernseher/Computer abzulenken. Doch spür mal nach einer Fernseh-Session zu deiner Atmung? Bist du dadurch ruhiger geworden? Hast du dadurch emotional ausgemistet? Hast du für dich wirklichen Frieden gefunden?

Vor einigen Monaten habe ich mir das Fernsehen ganz abgewöhnt. Erst durch diese bewusste Entscheidung wurde mir meine Abhängigkeit zur Glotze richtig bewusst. Und je mehr ich in mich hineinspürte, desto abstoßender fand ich den Gedanken den Fernseher aufzudrehen. Seitdem hat sich mein Buch-Konsum und meine Kreativität vervierfacht.  Und auch das hat einen tollen Nebeneffekt: durch die interessanten Themen erhalte ich täglich neue Inspirationen und werde immer schlauer und kreativer 😉

2 Lesetipps für den Herbst:

„Mit Kindern wachsen“ ist mittlerweile ein Klassiker und hat doch nichts von seiner Aktualität verloren. Im Gegenteil – Durch die  Möglichkeit ständig online zu sein, ist es für Eltern, LehrerInnen und ErzieherInnen umso wichtiger bewusst OFFLINE zu gehen und sich mit dem gegenwärtigen Moment zu verbinden. Denn genau das sind wir uns und unseren Kindern schuldig.

„Das BLOOM HERBSTbuch“ ist ein wahrer Schatz und perfekt um dich in der Herbstzeit zu verwöhnen. Nives Gobo – eine liebe Kollegin – sammelt darin all ihr Wissen als Expertin für gesunde Ernährung, ganzheitlicher Beautypflege und genussvoller Wohlfühlkonzepte für Körper, Geist und Seele. Mach Dich bereit für ein extravagantes Buch der ganz besonderen Art.

 

 Fazit:

Nicht nur im Kinderyoga-Setting sind Kinder unsere großen Lehrmeister. Besonders unsere eigenen Kinder, mit denen wir so viel Zeit verbringen und so tief verbunden sind, zeigen uns viele ungesunde und unbewusste Verhaltensweisen auf. Wir müssen nur die Bereitschaft haben hinzusehen und diese Signale auch als solche wahrnehmen.

Denn unsere Kinder haben anwesende Erwachsene, die sich ihrer Gefühle bewusst sind und konstruktiv und selbstverantwortlich  damit umgehen können verdient.

 


Die Kinderyoga-Serie „Verhalten im Ernstfall“ im Überblick:

  1. Nimm eine neue Haltung ein – Die Stunde gehört den Kindern, nicht dir (in Teil 1)
    dfg
  2. Kinder sind unsere Spiegel (hier in Teil 2)
    • Praktiziere selbst regelmäßig
    • Bewusstes Atmen hilft immer
    • Lade deine Batterien immer wieder auf
      dfg
  3. Achte deine Grenzen und die Grenzen der Kinder (in Teil 3)
    • Zentrierungsübungen vor der Stunde helfen
    • Vermittle den Kindern die Wichtigkeit der eigenen Grenzen
      dfg
  4. Uneingeschränkte Annahme – Kein Kind stört! (in Teil 4)
    • Was ist der Entwicklungsstand der Kinder?
    • Was will mir dieses Kind sagen?
      dfg
  5. Aufbau der Stunde (in Teil 5)
    • Schnelle Wechsel der Übungen
    • Wichtig sind die Übergänge zwischen den Spielen/Übungen
    • Abwechseln LAUT und LEISE, KRAFTVOLL und ENTSPANNT
      dfg
  6. Reflektiere – Nimm dir deinen Anteil heraus aber lass los. Denn nicht für alles in der Stunde bist du verantwortlich. (in Teil 6)
    • Weitere Tipps für einen reibungslosen Ablauf
    • Loslassen, wenn es dieses Mail deiner Meinung nach gar nicht geklappt hat.

 

In den nächsten Wochen werde ich Schritt für Schritt alle weiteren Punkte genau beantworten. Bleib also dran! Am Besten du trägst dich in meinen Newsletter ein, dann versäumst du keinen Teil der Serie. Ich freu mich auch auf regen Austausch und deine Erfahrung im Kommentar-Bereich oder auf Facebook.