Auch wenn es oft nicht so aussieht, sind wir doch immer noch Säugetiere. Säugetiere, die durch viel Schnick-Schnack abgetrennt sind von unseren wahren Bedürfnissen. Säugetiere, denen falsche Bedürfnisse und unechte Wünsche eingeredet wurden. Und diesen Wünschen und Bedürfnissen rennen wir nun unreflektiert hinterher.

Unser Leben ist so laut und schnell geworden, dass man ganz leicht den Überblick verliert. Kaum noch einer kennt das Gefühl gelangweilt zu sein. Viele Menschen funktionieren und reagieren, rennen von einem Termin zum nächsten, sind ständig unter Druck, fühlen sich minderwertig, haben ein schlechtes Gewissen und sind doch nie zufrieden mit dem was sie erreichen oder besitzen.

Selbst Kinder leiden oft schon an diesem Druck alles machen, erleben und haben zu wollen.

Dabei sind wir Säugetiere doch ganz einfach gestrickt: Gebt uns Geborgenheit, Autonomie, Nahrung, Wärme, Bewegung und es ist schon (fast) alles gewonnen. Außerdem wollen wir noch einen Unterschied in der Welt machen, unsere Individualität leben und uns verwirklichen. Ganz einfach, oder? Das Thema Bedürfnisse ist ein großes und spannendes Thema. Heute soll es aber um den Druck dahin gehen.

Wie kann ich denn meinen Stress minimieren um überhaupt zu spüren was meine wahren Bedürfnisse sind? Denn im Stress-Autopilot gelingt es gar nicht klar zu denken und zu fühlen.

Hier findest du heute viele praktische Tipps für dich und deine Familie. Perfekt für das lange Wochenende um die Übungen gleich auszuprobieren. Und bitte denk dran: DU bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Wenn es dir gut geht, geht es allen um dich herum gut.

(freie) Bewegung – Laufen, tanzen, spielen …

Stress-Hormone werden im Körper am schnellst durch Bewegung wieder abgebaut. Daher steig in deine Laufschuhe, hau deine Lieblingsmusik rein oder mach mit den Kids eine Polsterschlacht.

Übung für dich

Ich weiß, es ist so verlockend: Du kommst von einem stressigen Tag nach Hause. Die Kinder sind gerade eingeschlafen. Das Sofa und deine Lieblingsserie rufen dich schon. Stop! Frag dich doch heute Abend, ob du bereit bist, an diesem Muster etwas zu ändern. Denn ich sag dir eins: Der schwerste Teil am Laufen gehen ist der Part, wo du dir die Laufschuhe anziehst und das Haus verlässt. Danach ist die Entscheidung schon gefällt. Dein Abend wird danach noch entspannter sein. Ich verspreche es dir.

Brauchst du Motivation?

  • Schnappe dir eine tolle Fitness-App am Handy, die deine Erfolge dokumentiert und dich erinnert. https://play.google.com/store/apps/details?id=com.sec.android.app.shealth&hl=de
  • Finde für dich eine Wochenrhythmus, an dem es dann nicht mehr zu rütteln gibt.
  • Gute Musik hilft. Spotify hat tolle Playlists um dazu zu Laufen. Hierbei kannst du den Beat sogar deinem Tempo anpassen. Genial und voll motivierend!
  • Finde einen Lauf-Buddy.

Übung für die ganze Familie

  • In unserer Familie hat sich ein großartiges Wochenend-Ritual eingebürgert. Die Samstag-Morgen-Disco. Nach dem Frühstück, der Tisch ist noch ein Schlachtfeld, springen und tanzen wir zu cooler Musik im Pyjama durch die Wohnung. Die Kinder sind danach so außer Puste, dass sie sich nochmal ein Stündchen aufs Ohr hauen. 😉
  • Abends, wenn der Tag lange und die Konflikte mühsam waren, ist es oft schwer zur Ruhe zu kommen. Was in unserer Familie hilft, ist eine gemeinsame Polsterschlacht, oder Raufen. Dabei ist zu achten, dass die Kinder das Gefühl haben gleiche Chancen zu haben, bzw. sogar stärker als wir zu sein.

Hintergrund-Wissen – Machtumkehr-Spiele

Kinder sind Erwachsenen „ausgeliefert“. Sie können nicht so über sich bestimmen, wie sie es manchmal gerne möchten. Das frustriert und mindert das Selbstwertgefühl. Machtumkehr-Spiele können diesen Frust der Kinder aufgreifen und den Stress dahinter auflösen. Je mehr während dieser Art von Spielen gelacht wird, desto besser.

Asanas

Yoga ist ja im Westen als DAS Anti-Stress-Werkzeug schlechthin bekannt. Und ja. Es wirkt auch wirklich großartig. Die Kombination aus bewusster Atmung, Bewegung, Dehnung und Kräftigung der Muskeln und bewusstem Spüren, lässt anfängliche Problemelefanten rasch wieder zu Mücken schrumpfen.

Übung für dich

Der Klassiker unter den Yoga-Übungen ist bestimmt der Sonnengruß. Genial daran ist, dass er den Kreislauf in Schwung bringt, den Körper dehnt und kräftigt und Hitze erzeugt. Somit werden Runde für Runde Stresshormone abgebaut. Zurück bleibt ein gutes Körpergefühl, Kraft und Durchsetzungsvermögen.

Hier meine Lieblingsvariante von Mai Cocopelli: https://www.youtube.com/watch?v=Zt8GRmvocXA

Übung für die ganze Familie

Meine Kinder und ich lieben es gemeinsam neue Yoga-Positionen und -Flows zu erfinden. Unsere Lieblingsübung ist derzeit der Wellenflow. Hierbei sitzt mein Sohn auf meinem Rücken und hat die Aufgabe, die ganze Übung lang sitzen zu bleiben. Ich bewege mich langsam von einer Position zur anderen. Dies ist eine tolle Balance- und Kommunikations-Übung für beide.

Muschel und Perle: Du sitzt dabei im Langsitz. Das Kind sitzt auf deinen Beinen. Nun beugt ihr euch vorsichtig nach vorne und schließt die Muschel. Beim Einatmen öffnet sich die Muschel. Beim Ausatmen schließt sich die Muschel. Nach ein paar Durchgängen entdeckt die Muschel eine Perle. „Oh, was für eine wunderschöne kleine Perle. Das ist der wertvollste Schatz, den ich je bekommen habe“. Das Kind wird abgeknutscht.

Atmung – Tor zu unserer Lebensenergie

Der Atem sorgt für Sauerstoffaufnahme und der Abgabe von verbrauchter Luft. Die Lungen haben daher eine entscheidende Reinigungsfunktion. Der Atem drückt nicht nur unsere momentane Befindlichkeit aus, wir können mit ihm direkt Einfluss auf unser Wohlbefinden nehmen. Und da kommt Pranayama ins Spiel.

Pranayama nennen sich die Atemübungen im Yoga. Man lernt damit besser zu atmen, wodurch man den Körper und Geist belebt. Der Körper nimmt mehr Sauerstoff auf und unterstützt die Ausscheidung über die Lungen. Pranayama entspannt und eignet sich hervorragend bei der Stressbewältigung. Atemübungen können, je nachdem wie sie eingesetzt werden, beleben oder beruhigen. Doch Pranayama kann noch mehr – man bekommt Zugang zur eigenen Lebensenergie. Denn übersetzt bedeutet Pranayama „Kontrolle der Lebensenergie“.

Übung für die ganze Familie

  • Luftballonatmung: Dies ist eine Bauchatmung im Sitzen. Gerne kann dein Kind hierbei auf deinem Schoß sitzen. Stellt euch vor ihr habt einen Luftballon in eurer Lieblingsfarbe im Bauch. Beim Einatmen wird der Luftballon ganz groß, beim AA ganz klein. Bei der Ausatmung kann auch laut geprustet werden, so als ob ihr die Luftballon-Öffnung auseinanderzieht.
  • Blumenatmung: Auch hier kann dein Kind gerne auf deinem Schoß sitzen. Eure Hände sind wie eine Lotusblume vor der Brust aufgefächert. Beim Einatmen öffnet sich die Blume nach oben. Die Arme werden über den Kopf gestreckt. Beim Ausatmen schließt sich die Blume wieder (Ausgangsposition).

 

Entspannung oder Stille Übungen

Übung für dich

Meditieren ist eine der effizientesten und einfachsten Wege in die Stille. Auch wenn es sich in deinem Kopf zuerst gar nicht still anfühlt, hilft es dir deine Gedanken zu sortieren und zu beruhigen. Studien haben herausgefunden, dass schon 8 Wochen regelmäßiges Meditieren die Hirnstruktur verändern.

Meine Tipps:

  • Richte dir einen Platz ein, auf dem du gerne sitzt und wo du nicht gestört wirst. Bei mir ist das derzeit das Badezimmer, weil es der einzige Raum ist, wo ich hinter mir absperren kann.
  • Meditations-Apps helfen dir am Ball zu bleiben.
  • Meditations-Musik mit Kopfhörern hält die störenden Klopfgeräusche der Kinder fern. (Der Papa ist eh da…)
  • Ein Timer hilft dir, dich ganz einzulassen. Und egal was in dieser Zeit in dir vorgeht. Bleib sitzen und lass es zu. (Du versäumst nichts, sondern gewinnst Klarheit!)

Übung für die ganze Familie

  • Kuscheltier-Entspannung: Das ist eine wunderschöne Übung, die im Bett vor dem Schlafengehen geübt werden kann. Stellt euch dabei vor ihr habt ein ganz müdes Kuscheltier in eurer Mitte. Es ist so müde und kann aber nur auf dem Bauch schaukelnd einschlafen. Leg das Kuscheltier auf den Bauch deines Kindes. Beim Einatmen hebt sich nun der Bauch mit dem Kuscheltier nach oben – Beim Ausatmen sinkt der Bauch mit Kuscheltier wieder nach unten. Wiederholt das so oft, bis das Kuscheltier eingeschlafen ist.

Tipp: Lied „Mein Kuscheltier will ausruhn – Detlev Jöcker

  • Massage mit Malerwalze: Vielleicht habt ihr ja eine große, saubere Malerwalze zuhause. Diese könnt ihr wunderbar als Massageutensil zweckentfremden. Die Kinder dürfen sich dazu auf den Bauch legen und werden gewalzt. Rolle dafür mit der Walze vorsichtig von dem Füßen über die Beine bis zum Kopf. Du kannst gerne die Geschwindigkeit und Intensität variieren, solange es für alle Beteiligten angenehm ist. Auch Kinder lieben es in dieser Übung der „Maler“ zu sein.

Habt eine feine, entspannte Zeit mit euch selbst und euren Lieben. Ich freue über eure Erfahrungsberichte.

Bis bald!