Definition „Mindset“

Mindset: Denkweise, Mentalität, Geisteshaltung seltener Denkart  (Quelle: www.linguee.de)

Der Begriff Mindset kommt aus dem Englischen und wird oft in verschiedenen Bedeutungen verwendet. Ich verstehe Mindset als die Art, wie ein Mensch – oder eine Gruppe – über etwas bestimmtes denkt, was er/sie für Lösungsansätze oder Probleme generiert und wie flexibel und starr diese Art zu denken ist.

Ein bestimmtes Mindset kann somit förderlich oder hinderlich sein. Jedoch bedeutet es nicht, dass man mit einer „negativen Denkweise“ bis ans Ende des Lebens bestraft ist. Die Art wie ein Mensch über sich und die Welt denkt, entsteht zum Großteil in der Kindheit. Durch Erfahrungen erleben wir die Welt als sicheren oder unsicheren Ort, können uns entfalten oder werden in der Entwicklung von unserer Umwelt gehemmt. Im Laufe des Heranwachsens entsteht somit ein relativ starres Konstrukt darüber „wie die Welt ist“, wer wir sind und was wir uns zutrauen. Diese Glaubenssätze sind wichtig für unsere Sicherheit. Sie vereinfachen das tägliche Leben, da wir nicht alles Erlebte neu verarbeiten müssen, sondern auf vorangegangen Erfahrungen zurückgreifen können. Allerdings kann das Bild, das wir von unseren Fähigkeiten haben, stark von unseren wahren Fähigkeiten abweichen.

Hat uns unsere Denkart gut vom Kind zum Erwachsenen geführt, ist es jetzt an der Zeit unser Mindset zu überprüfen.

  • Aus welchen Vorstellungen und Überzeugungen bin ich schon hinausgewachsen?
  • Welche Glaubenssätze dienen mir nicht mehr?
  • In welchen Situationen reagiert mein Körper regelmäßig auf Stress? Was denke ich in diesen Situationen über mich und die Situation?

Auch das doofste und vordergründig destruktivste Mindset machte irgendwann in deinem Leben Sinn. Es hat dich vor Verletzungen geschützt und gab dir Sicherheit. Es hat dich zu dem gemacht, was du heute bist und hat dir gedient. Die gute Nachricht ist: du kannst es gegen ein konstruktiveres Mindset tauschen. Die schlechte Nachricht ist: Altbekannte Denkweisen, auch wenn sie noch so unattraktiv sind, sind hartnäckige Begleiter, die im Unterbewusstsein verankert sind. Um das Unterbewusstsein zu verändern, braucht es Durchhaltevermögen, Zeit, und eine liebevolle Grundhaltung dir und deinem Denkmuster gegenüber.

Ein Beispiel aus meinem Leben – Paula Perfektionismus

Vor 4 Jahren hatte ich ganz klare Vorstellungen davon, wie das Leben mit Kind aussehen wird. Ich war schwanger, las jedes Buch über alternative Kinderpflege und Erziehung, das ich finden konnte und WUSSTE einfach, wie der Hase läuft. Ich wusste, was ich wollte: ALLES. Ich wollte eine unabhängige Frau sein, die zuhause bei den Kindern bleibt, trotzdem erfolgreich selbstständig ist und neue Projekte voran treibt, die eigenes Brot bäckt, eine attraktive Liebhaberin bleibt und den Kindern die perfekte und wohlwollendste Umgebung schafft. Also begann ich nach der Geburt meines Sohnes mit diesem Projekt „perfektes Leben – perfekte Frau“.

Ich machte alles, was derzeit in der Alternativ-Szene hip ist:

  • Windelfrei (und später dann doch Stoffwindeln – und noch später ganz faul und glücklich: Pampers),
  • Familienbett (was meine Familie und ich immer noch großartig finden),
  • BLW (also breifrei, was eine riesige Erleichterung beim 2. Kind war. Beim ersten Kind aber mit viel Mindfuck und unsinnigen Sorgen verbunden war.)
  • Baby-Zeichensprache (eine tolle Art mit Kindern zu kommunizieren. Mein Sohn wollte aber lieber gleich los plaudern.)
  • Kurse: Babyschwimmen, Baby-Atelier, Yoga… (Es waren alles tolle Kurse, nur ZU VIELE)
  • Waldkindergarten (war viel zu weit weg und nur anstrengend für die ganze Familie)

Mein Tag war ausgefüllt mit ToDos, die ich zu erfüllen hatte. Und immer war ich von meinen Perfektions-Ansprüche getrieben. „Ich bin doch Pädagogin, ich muss das ja können.“ „Ich bin ja Yogalehrerin für Kinder und Familien. Das muss doch bei mir klappen.“ Meine Art mit meinem Sohn umzugehen war motiviert vom Ehrgeiz „ein gutes Vorbild“ für meine KundInnen zu sein und meinem Anspruch, meinem Kind das Paradies zu ermöglichen. Jede Entscheidung, die ich traf, musst ich mit vielen Ratgeberbüchern in meinem Kopf abgleichen. „Was würde Jesper Juul machen?“ „Ist das noch Attachment Parenting?“ „Wie heißt das auf Baby-Sprache?“ …

Bei all den Konzepten in meinem Kopf vergaß ich oft auf mich und meine Bedürfnisse. Ich hatte das Gefühl zu mir verloren und dadurch auch die Verbindung zu meiner Intuition. Ich war getrieben von mir selbst und meinem Mindset, wie mein Leben auszusehen hat.

Dann kam meine Tochter. 2 Kinder – noch mehr Arbeit, noch weniger Zeit, noch weniger Schlaf. Ich brach vollkommen ein. Die ersten 8 Wochen lag ich völlig erledigt im Bett. Die nächsten Wochen und Monaten litt ich unter Depression und Panikattacken. Ich fühlte mich leer und meinem Alltag hilflos ausgeliefert. Am Morgen hatte ich schon Angst vor dem Tag alleine mit den Kindern. Ich wollte einfach NUR MEINE RUHE und hatte so ein schlechtes Gewissen deswegen. Doch meine Ansprüche ließen mich nicht los. „Du musst eine gute Mutter sein.“, „Die Kinder gehören in die frische Luft.“, „Der öffentliche Kindergarten ist nicht gut für deine Kinder.“

Nach einigen Monaten holte ich mir für diese Zeit professionelle Hilfe. Durch meine Therapie-Sitzungen erkannte ich viele festsitzende Denkmuster und Verhaltensweisen. Mit jeder Sitzung wurde das Klima zuhause entspannter. Meine Kinder konnten sich entspannen, sobald ich mich entspannte. Und meine Partnerschaft erblühte langsam wieder. Hallo Leichtigkeit!

Was hat mir geholfen?

  • Weniger ist mehr – Minimalismus (darauf gehe ich in einer weiteren Serie näher ein)
  • Der Gedanke: „Es darf auch einfach gehen.“ Der Kindergarten ums Eck – ganz öffentlich – ist das größte Geschenk für meine Familie. Mein Sohn liebt ihn und ich kann Vormittags etwas durchschnaufen.
  • Um Hilfe bitten und annehmen.
  • Mami FIRST. Mein Tag beginnt und endet mit mir. Denn nur wenn ich mich spüre, kann ich auch die anderen spüren. Die Spiegelneuronen lassen grüßen 😉

ÜBUNG: Die ersten 20 und letzten 20 Minuten des Tages sind HEILIG

Ja, es ist anfangs schwierig und es braucht etwas Überzeugungsarbeit und Planung. Und an manchen Tagen und Wochen klappt es auch bei mir nicht, mir diese Zeit zu erobern. Und trotzdem weiß und spüre ich, wie gut mir diese Zeit tut.

Plane diese ersten 20 Minute so ein, dass du mit dir alleine bist.

  • Sperr dich zB. im Bad ein. Geh laufen. Setz dich in den Garten. Finde einen Platz, wo du vor deiner Familie „geschützt“ bist um im neuen Tag anzukommen.
  • Mach in dieser Zeit noch nichts „Produktives“. Setz dich hin und schau in die Luft. Meditiere. Massiere dich. Tanze. Schreibe Tagebuch (aber keine ToDo-Liste!!!). Verbringe Qualitytime mit dir.
  • Beende diese Zeit ganz bewusst mit einem kleinen Ritual:
    • Bedanke dich bei dir für die Zeit. Und nimm dir etwas für diesen Tag vor. zB: Jeden Moment bewusst zu genießen. Gelassen zu bleiben. Mit den Kindern bewusst und freudvoll zu spielen.
    • Öffne dann die Tür und betrete den neuen Tag.

Nimm dir auch am Ende das Tages nochmal bewusst Zeit für dich bevor du ins Bett gehst.

Wichtig für diese Zeit:

  • Keine Smartphones, Computer etc. in der Zeit
  • kein Leistungsdruck
  • Sei klar mit dem was du willst und sei dir diese Zeit wert. Auch wenn die Kinder am Anfang möglicherweise rebellieren werden, bleib bei deiner Entscheidung und findet gemeinsam eine Lösung dafür. Vielleicht hilft den Kids eine Eier-Uhr, damit sie die Zeit besser abschätzen können bis zu deiner Rückkehr.

Passiert es immer noch, dass ich mich (unnötig) stresse?

Oh ja! Jeden Tag! Doch ich habe nun einen Weg gefunden, den Stress zu erkennen und ihn als meinen Verbündeten zu sehen. Er will mir etwas zeigen. Immer wenn ich die Enge in meinem Körper wahrnehme, ist das ein Warnsignal meines Körpers: „SCHAU AUF DICH.“ „Da war eine Grenze.“ „Pass auf dich auf.“ „Du versäumst dein Leben. Es findet gerade statt. Schau hin. Entspann dich“ „Lass (Ansprüche) los!“

Atmen hilft. Viel atmen. (Aber dazu in 2 Wochen mehr)

Achtsamkeits-Übung

Die Aufmerksamkeit ist das wertvollste, was du verschenken kannst. Ich übe mich jeden Tag bewusst in der Praxis der Achtsamkeit. Diese Praxis allein ist so einfach und doch schwierig, dass das Thema ganze Bücherregale füllt. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass diese Praxis die Welt verändern wird. Achtsamkeit bedeutet die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu richten, mit deinem Gewahrsein im JETZT ankommen. Dabei ist es ganz egal, wie dieses JETZT aussieht, ob es uns gefällt oder nicht. Wir üben uns darin zu sehen, zu fühlen und zu denken ohne zu werten. Kinder sind wahre Meister in dieser Praxis, wenn wir es ihnen ermöglichen. Lass dich also von ihnen führen.

Als meine Kinder noch sehr klein waren und meine Tage dicht, war die Achtsamkeits-Praxis die einzige Yoga-Übung, die ich ausführen konnte. Für Asanas war ich einfach zu erledigt und bei Meditationen schlief ich regelmäßig ein.

Übung: Geschirrspül-Yoga

Der Geschirrspüler ist fertig? Das Geschirr stapelt sich schon in der Küche. Wie wunderbar. Nun ist wieder eine neue Gelegenheit für deine Achtsamkeitspraxis. Nimm dir vor in den nächsten 5 Minuten deine Tätigkeit mit deinem ganzen Gewahrsein zu verfolgen. Öffne mit Hingabe den Geschirrspüler. Was fühlst du? Steigt noch Dampf auf? Ist das Geschirr noch warm? Beginne nun langsam die Teile auszuräumen. Du kannst daraus einen Yoga-Flow machen:

Beim Einatmen – nimm einen Teller

Beim Ausatmen – stell ihn ins Regal

Beim Einatmen – nimm den nächsten Teller

… usw.

Wann immer du mit deinen Gedanken abdriftest, komm wieder zurück zum Fühlen und zum Atmen. Je tiefer und bewusster du atmest, desto leichter fällt es dir, im Moment zu bleiben.

Tipps:

  • Brich aus deinem Geschirrspüler-Ausräum-Muster aus.
  • Mach große übertriebene Bewegungen.
  • Beginne mit einer anderen Lade als gewohnt.
  • Geh andere Wege.
  • Benutze die andere Hand.
  • Gehe rückwärts.
  • Sing dabei.

Mentale Stärke

Schon die alten Yogis und Buddhisten wussten es und nun kommt auch immer mehr die Wissenschaft dahinter. Meditation verändert das Gehirn, macht gelassener, hilft zum Beispiel gegen Depressionen oder Burn-Out und macht den Geist klarer. Wer einmal in den Genuss dieser klaren Stille gekommen ist, weiß wie wohltuend dieser innere Raum ist. Dabei ist es nicht wichtig wie du meditierst und ob du in deinem Oberstübchen Leerheit oder Chaos findest. Allein die Tatsache, dass du dich hinsetzt und dich mit dem Chaos befasst, entspannt deinen Geist schon ungemein. Man könnte Meditation auch als geistiges Ausmisten betrachten. Und so wie auch in der Wohnung, wird es im Geist zuerst mal chaotischer, bevor es dann klarer wird.

Hier habe ich dir ein paar Möglichkeiten zu Meditieren angeführt. Achte darauf, dass du in der Zeit nicht gestört wirst und stell dir einen Wecker, der dich nach 5/10/15 Minuten weckt. Wenn du noch nicht so viel Erfahrung mit Meditation hast, beginne erst mal mit 5 Minuten. Setz dich aufrecht hin und konzentriere dich auf die Atmung. Wann immer deine Gedanken dich vereinnahmen, bring deine Aufmerksamkeit wieder zurück zur Atmung. Wenn du magst kannst du bei der Ein- und Ausatmung auch ein Mantra oder eine Affirmation wiederholen.

Hier sind einige Vorschläge:

  • Ich bin – ganz ruhig (EA – AA)
  • So – Ham
  • Ich – bin
  • Om – Om
  • Lie – Be
  • Ein – Aus

Möglicherweise bist du aber ein Typ, der mit geführten Meditationen sehr gut zurecht kommt. Dann hab ich hier für dich 3 Meditationen meines Lehrers:

https://www.youtube.com/watch?v=mG1xVem4V3k

https://www.youtube.com/watch?v=-jfMMhip2zE

https://www.youtube.com/watch?v=Y84C4fArYig

Du fühlst dich trotzdem noch gestresst, missverstanden, nicht unterstützt und mies? Und gar nichts hilft? Hier kommt mein Geheimtipp, der bei mir immer Wunder wirkt: Jede Zelle meines Körpers ist glücklich…

https://www.youtube.com/watch?v=nLNnoaSQkVY

Fazit:

Die Kinder werden schneller groß als man glaubt und dann haben wir unser Leben wieder zurück. Wir versäumen nichts, wenn wir mal Monate oder Jahre pausieren. Unsere Entwicklung hört nie auf und findet in jedem Augenblick statt, wenn wir es sehen und annehmen können. Take it EASY. Auch diese Vorschläge. Genieß dein Leben mit deiner Unperfektheit. Das soll so sein!