Seit Tagen lässt mich ein Thema nicht los: Burn-Out bei Kindern. Meine Recherche zur Littleyogi-Ausbildung hat mich zielgerichtet zu einigen besorgniserregenden Studien geführt. Ich bin tief berührt und wach durch die knallharten Fakten, die mir wieder stark vor Augen führen, wofür ich meine Arbeit mache. So kurz vor Schulbeginn kommt nun heute und in den nächsten Wochen ein praxisbezogener Maßnahmenkatalog mit vielen bunten Spielen und luftig-lustigen Übungen für mehr Entspannung und Frieden in den Familien, Kindergärten und Schulklassen.

Meine Bitte: Nehmt diese Übungen nur als Anregungen. Yoga-Übungen sollen immer etwas Schönes und Freudvolles sein. Ja, es darf auch anstrengend werden. Ihr dürft gerne auch schwitzen. Solltet ihr, oder eure Kinder, jedoch in einen Erfüllungs-Druck verspüren, der sich nicht mehr lustig anfühlt, lasst die Übung lieber sein. Das Motto der nächsten Wochen lautet WENIGER IST MEHR.

Hiermit startet also die neue Blogserie zum Thema zuFRIEDEN ins neue Schuljahr:


Wissensteil – Stress bei Kindern und in der Familie

Stress – mehrere Definitionen:

„Stress definieren wir dabei als Ungleichgewicht zwischen wahrgenommenen Anforderungen und subjektiven Fähigkeiten, diesen Anforderungen zu begegnen“

Professor Dr. Holger Ziegler Fakultät für Erziehungswissenschaft, Universität Bielefeld

 

„Stress – eine sehr große körperliche oder seelische Belastung durch zu viel Arbeit, Probleme o. Ä.“

(Google Wörterbuch)

 

„Stress (engl. für ‚Druck, Anspannung‘; lat. stringere‚ anspannen‘) bezeichnet zum einen durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physische Reaktionen bei Lebewesen, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung.“

(Wikipedia)

Stress bei Kindern

Studien zeigen: jedes 6. Kind und jeder 5. Jugendliche leiden unter hohem Stress. Der Trend steigt leider besorgniserregend an. Wobei die Ursachen für den Stress der Kinder vielseitig sind:

  • mangelnde selbstbestimmte „Qualitätszeit
  • wenig Freizeit
  • wenig Autnomie – viele Kinder werden wenig bis gar nie nach ihrer Meinung gefragt
  • Versagensägste und Erwartungsdruck – etwa durch die frühe Sellektion in weiterführende Schulen
  • der Druck nach sozialer Anerkennung sowie dem Gefühl Dazuzugehören
  • moderne Medien und der subjektiven Angst „etwas zu versäumen“, wenn man nicht ständig online ist (Bsp: Messenger-Dienste)
  • vertauschte Rollen der Eltern und Kinder (Parentifizierung). zB: bei Migrantenfamilien oder AlleinerzieherInnen

Die häufigsten Symptome bei Kindern sind Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Oft sind Kinder kaum noch in der Lage mit Niederlagen umzugehen. Der Körper kann mit Verspannungen, Unruhe, Herzklopfen oder einem ständig trockenem Mund auf den Stress reagieren. Kleinere klagen von Bauch- oder Kopfschmerzen, ohne dass körperliche Ursachen dafür erkennbar wären.

Gestresste Eltern = gestresste Kinder?

Leider stimmt diese Gleichung oft. In der deutschlandweiten Studie von 2015 „Burn-Out im Kinderzimmer“ gaben etwa ein Drittel der Eltern von Kindern mit hohem Stress an, von ihrer Elternschaft gestresst zu sein. Wenn sich Eltern durch die Erziehung der Kinder gestresst fühlen, wirkt dies unmittelbar auf den Stress der Kinder ein. Die Lebenszufriedenheit und die Überforderungserfahrungen der Eltern sind weitere Einflussfaktoren. Auch finanzielle Probleme und Schulden in der Familie gehen mit erhöhtem Stress einher. Grob ist zu sagen, dass Kinder ihre Eltern sehr genau beobachten und die Strategien mit Stress umzugehen kopieren. Fühlen sich Kinder als Ursache für den Stress der Eltern, wirkt dies hochgradig Stress auslösend.

Eine Studie (2015, Burn-Out im Kinderzimmer) erkannte 3 Haupteinfluss-Faktoren für kindlichen Stress:

  • Streit und Konflikte in der Familie
  • pädagogische Problemlagen in der Familie und der Schule
  • eine auf Leistung und Erfolg orientierte Erziehungspraxis

Wie wirkt Stress auf Kinder?

Die Auswirkungen von Stress sind keine Lappalie und ausnahmslos negativ. Es gibt keinen „guten Stress“, auf den sich Kinder schon früh in ihrer Laufbahn gewöhnen und einstellen sollten. Gestresste Kinder haben ein geringes Selbstwertgefühl oder eine negative Selbstwahrnehmung. Sie klagen oft über Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlafstörungen und Müdigkeit. Im schlimmen Fällen kann lang anhaltender Stress in Depression, Essstörung oder Suchtverhalten führen.

Neben den Körperlichen Symptomen wirken gestresste Kinder oft wütend, zornig oder auch gelangweilt. Außerdem zeigen sie ein deutlich erhöhtes Aggressionsverhalten und verfügen nur über geringe Problemlösungskompetenz. Weiterhin verspürt jedes zweite Kind mit erhöhtem Stresslevel große Angst, seine Eltern in ihren Erwartungshaltungen zu enttäuschen. Kinder mit hohem Stress geben deutlich häufiger an, sich zu schämen und dass ihnen Dinge peinlich sind. Damit gehen Versagensängste im schulischen Bereich mit denen im familiären Umfeld einher.

Wie wirkt Stress im Gehirn?

„Stress ist eine ganz normale körperliche Reaktion auf eine Herausforderung und hat ihren Ursprung in den Stresshormonen. Die Hypophyse, als zentrales hormonelles Steuerorgan, signalisiert in gefährlichen Situationen den Nebennieren, Adrenalin auszusondern. Dieses Hormon beschleunigt den Blutkreislauf, fördert die Hirndurchblutung und reaktiviert körperliche und geistige Kräfte. Die Außenanforderung führt zu einer seelisch-körperlichen Reaktion, die das Ziel hat, die Herausforderung und Bedrohung zu meistern und zu bewältigen. Diese körperliche Reaktion auf Stress ist also sinnvoll. Wenn aber der Mensch in ständiger Alarmbereitschaft steht und eine Entspannung oder Regeneration seiner psychischen Kräfte nicht möglich ist, wird der Stress zum Distress und hat negative, krankheitsauslösende Wirkungen. Evolutionär gesehen sollte der Stresszustand nur für wenige Stunden als eine Art „Lebensversicherung“ gelten und nicht für chronische langdauernde Belastungen. Ist das aber der Fall, kann es zu körperlichen Stressreaktionen kommen, welche die Gesundheit gefährden und zu Gesundheits-problemen führen, wie z.B. Anfälligkeit für Infektionen, chronischer Erschöpfung und chronische Schmerzen, Schlafstörungen etc.“

Quelle: http://psychologie.stangl.eu/definition/Stress.shtml – © Werner Stangl

Wofür ist Stress gut?

Stress macht wacht und versetzt unseren Körper in Alarmbereitschaft und ermöglicht sportliche und geistige Höchstleistungen. Meistens lernen Kinder ohne Probleme, wie sie Belastungssituationen bewältigen können, solange sie auch wieder Zeit haben zur Ruhe zu kommen.

Die Wichtigkeit der „sinnfreien“ Zeit – Kinder brauchen Zeit für sich

Aus Angst auf der Strecke zu bleiben ist bei vielen Kindern der Tagesablauf schon gleich durchorganisiert, wie bei manch einem Erwachsenen. Da stehen dann Hausaufgaben, Fußball-Training und Musikunterricht auf dem Plan. Zeit zum Nichtstun, Nachsinnen und für die eigene Selbstentfaltung bleibt kaum. Kinder verarbeiten während des Spielens innere Konflikte und bauen so Spannungen ab.

„Für die kindliche Entwicklung ist diese Form der Selbstbestimmung wichtig, denn erst wenn Eltern ihrem Kind eine wachsende Selbstbestimmung gewähren, kann dieses eine autonome Persönlichkeit entwickeln und eigene Bedürfnisse wahrnehmen. Das sind Voraussetzungen dafür, später das eigene Leben in Unabhängigkeit zu führen und eigenständig zu gestalten.“

Katia Saalfrank

Was können Eltern gegen Stress machen?

Alle Eltern wollen für ihre Kinder nur das Beste. Oft sind sie selbst im Stress-Hamsterrad unserer Gesellschaft gefangen und erkennen die ungesunden Auswirkungen auf ihre Kinder nur teilweise. Eltern sollen den Erwartungsdruck von ihren Kindern nehmen, viele freie Zeiten für die Kinder im Tagesplan einräumen und gegebenenfalls Hobbies weg lassen. Kinder brauchen stille Zeiten zum Sinnieren, Träumen und Entspannen. Das ist wichtig für ihre Entwicklung.

Für eine stabile Eltern-Kind-Beziehung ist Vertrauen eines der wichtigsten Grundelemente. Das Vertrauen in die Entwicklung der Fähigkeiten der  Kinder im eigenen Tempo gehört hier auch dazu. Fühlen Kinder das Vertrauen ihrer Eltern, können sie sich auch selbst mehr zutrauen und werden dadurch selbstbewusster und eigenständiger. Diese Erfahrung der Autonomie ist wichtig für die kindliche Entwicklung und erfordert von den Eltern wiederum sich mit den eigenen Ängsten und Unsicherheiten auseinander setzen zu müssen.

Wenn Stress-Symptome auftauchen sollten diese ernst genommen werden. Ein erster Schritt wäre es, das Gespräch mit den LehrerInnen und der Schule zu suche um die Ursachen zu erforschen. Kinder nehmen sich ein Beispiel an den Erwachsenen. Eltern sollten somit auch ihren eigenen Umgang mit Stress überdenken. Feste Rituale, gemeinsame Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und gemeinsame Unternehmungen sind eine gute Möglichkeit, den Stresslevel in der Familie zu senken.

Bewegungung, Bewegung, Bewegung

Auch in Ruhephase fährt der Körper runter und baut Stresshormone wieder ab. Dies passiert aber nicht in der Geschwindigkeit, wie es mit Bewegung der Fall ist. In Ruhelage zirkulieren immer noch viele Stresshormone im Körper und die Muskeln bleiben angespannt. Durch Bewegung werden andere Hormone produziert – Serotonin und Endorphine. Diese Hormone helfen beim Stressabbau. Danach ist eine Ruhephase viel sinnvoller und wohltuender.

… In den nächsten Wochen werden dir nun tolle Inspirationen, Spiele und Übungen für einen gesunden Umgang mit Stress vorgestellt. Bleib also dran und aboniere den Littleyogi-NEWSLETTER!

 

Quellen:

Bildercredit: Pixabay

http://kinderförderung.bepanthen.de/sozialforschung/stress-bei-kindern/

Was Kinder und Jugendliche gegen Stress tun können – Dr. Sonja SKOF (Schulpsychologie Wr. Neustadt-Stadt)

Stress-Studie 2015: Burn-Out im Kinderzimmer: Wie gestresst sind Kinder und Jugendliche in Deutschland? –  Abstract Professor Dr. Holger Ziegler Fakultät für Erziehungswissenschaft, Universität Bielefeld

Stress-Studie 2015: Burn-Out im Kinderzimmer:  Praxiserfahrungen und pädagogische Einblicke –  Katia Saalfrank, Schirmherrin der Bepanthen-Kinderförderung, Diplom-Pädagogin und Familienberaterin mit eigener Praxis, Berlin

http://www.kindergaerten-in-aktion.de/praxis-alltag-in-kindertageseinrichtungen/stress-und-entspannung/stressverhalten-bei-kindern-1

https://www.kizz.de/erziehung/kindliche-entwicklung/dauerstress-bei-kindern-gefahr-durch-laerm-hektik-und-leistungsdruck

https://www.foodspring.at/magazine/warum-sport-gegen-stress-hilft

http://edition-nm.ch/2015/03/23/stresshormone-adrenalin-noradrenalin-und-cortisol/


Teil 1: Wissensteil: Stress bei Kindern und in der Familie

  • Was ist Stress?
  • Wie entsteht er?
  • Wie wirkt er?
  • Was sind die Folgen?

Teil 2: Methoden zur Reduktion von Stress – Das Mindset

  • Ansprüche überprüfen
  • Selbstliebe kultivieren
  • Achtsamkeit kultivieren
  • Mentale Stärke (Meditation)

Teil 3: Methoden zur Reduktion von Stress – Gute Verhaltensweisen pflegen

  • genügend Schlaf
  • Zeitmanagement und Rituale
  • Ernährung
  • negative Verhaltensweisen erkennen und loslassen

Teil 4: Methoden zur Reduktion von Stress – Der Körper

  • (freie) Bewegung – Laufen, tanzen, spielen …
  • Asanas
  • Atmung
  • Entspannung oder Stille Übungen

Teil 5: Methoden zur Reduktion von Stress – Gemeinschaft, Beziehung

  • Kuscheln, Streicheln, Körperkontakt
  • Zuhören und Lauschen
  • Ansprüche an andere loslassen
  • sehen statt schauen

Teil 6: Methoden zur Reduktion von Stress – Die Umgebung

  • Minimalismus und Struktur
  • Medien, Licht, Elektrosmog
  • Rauch und Lärm
  • Düfte fürs Gehirn

Teil 7: Fazit und eure Tipps und Feedbacks der letzten Wochen

Es wird spannend, lehrreich und verspielt. In den nächsten Wochen werden dir tolle Inspirationen, Spiele und Übungen für einen gesunden Umgang mit Stress vorgestellt. Bleib also dran: